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BARFEN aus der Sicht eines Hundes
von Andrea Thümmel (Dezember 2007)

Carlos -Schäferhundmix

Ich heiße Carlos.
Mein Herrchen und Frauchen haben sich auf den ersten Blick in mich verliebt. Da war ich gerade mal 3 Wochen alt. Kein Wunder, denn ich bin wunderschön, mit glänzendem, schwarzen Fell, unwiderstehlichen rehbraunen Augen und langen, verführerischen Wimpern. Meine Mutter war eine Schäferhündin. Meinen Vater kenne ich nicht, aber von ihm muss ich alles haben, was einen Labrador ausmacht: das Gemüt, das glänzende Fell und den Hang, bei all dem verführerischen Nahrungsangebot etwas aus der Form zu geraten. Kurz und gut, eine gelungene Mischung eben.

Als ich 8 Wochen alt war, durfte ich zu meiner neuen Familie. Und ich muss sagen, die Trennung von meiner Mutter und meinen Geschwistern ist mir gar nicht so schwer gefallen. Meine neuen „Eltern“ haben sich geschworen, mir alles an Liebe und Gutem angedeihen zu lassen, was man als Mensch nur machen kann. Und weil ich ihr Erst-Hund war, haben sie sich vor allem über meine Ernährung ziemlich viele Gedanken gemacht.

Die Pedigree-Mahlzeiten der ersten 3 Lebenswochen wurde sofort durch Premiumfutter der bekannten Marken abgelöst. Hin und wieder kochten die beiden für mich und gaben mir von ihrem Futter ab. Roh war damals noch verpönt bei uns. Ich entwickelte mich prächtig und war überdurchschnittlich gehorsam.

Im Laufe der Jahre legte ich unmerklich aber stetig an Gewicht zu, sodass ich jetzt, im Ater von 8 Jahren, einfach 3 Kilo zuviel mit mir rumschleppe. Mein Frauchen sieht es deswegen auch gar nicht gerne, wenn die Menschen im Büro es gut mit mir meinen und immer mal wieder etwas vom Tisch fallen lassen. Alles Diätfutter und Versuche einer Gegensteuerung zur Gewichtsreduktion blieben erfolglos.

Vor 2 Jahren fing ich plötzlich an, mich gegen Grasmilben nicht mehr so gut zur Wehr setzen zu können und musste mich dauernd kratzen. Am Ende des Sommers sah ich dann einem gerupften Huhn ähnlicher als einem Hund. Letztes Jahr gesellten sich dann ganz urplötzlich Gelenkschmerzen dazu. Und da beschloss Frauchen, dass etwas geschehen müsse.

Da sie seit zwei Jahren im Auftrag von TASSO regelmäßig Hundemessen besucht, beschloss sie, sich im Herbst diesen Jahres auf einer der Messen kundig zu machen. Sie lernte einen klasse Biologen kennen, der sich nur um Nahrungsergänzung für Tiere auf Naturbasis kümmert und die sonderbarsten Sachen für uns Hunde entwickelt hat. Damit hat er schon sehr viele Tiere geheilt. Sie erzählte ihm von meinen Problemen, nahm Gemüse in getrockneter Form, eine Mixtur aus Algen, Muscheln, Kieselerde, Seealgenmehl, Bierhefe und anderen Dingen, die sehr gesund und wichtig für mich sind, mit nach Hause. An einem anderen Stand lernte sie einen Tierarzt kennen, der sie in die Welt des Barfens einführte. Das war der Durchbruch! Nachdem der Arzt eine ganze Stunde lang die Vorzüge des Barfens erläutert hat, nahm sie zwei gefrorene Pansen mit nach Hause. Aber wie mein Frauchen so ist, braucht sie, wenn es um mich und meine Gesundheit geht, immer mindestes zwei gleichlautende Meinungen. So kam es, dass sie noch mit einer Tierheilpraktikerin redete, die meine bisherige Trockennahrung rundherum ablehnte und auch fürs Barfen war. Keinen Konsens gab es bezüglich der Gemüsebeimengung. Der Tierarzt war dagegen, weil, wie er sagte, meine Vorfahren auch keinen Sellerie & Co gegessen hätten. Die Tierheilpraktikerin war absolut eine Befürworterin von diesem gesunden Zeug. Also stattete sich mein Frauchen auch noch mit zwei Barfbüchern aus und kam erwartungsvoll ob meiner Reaktion wieder nach Hause. Der Pansen wurde noch am gleichen Abend im Wasserbad ausgefroren und hatte kaum die Chance, den Boden des Napfes zu erreichen. Was für ein Leckerbissen! Meine beiden Menschen waren überzeugt.

Worüber allerdings heftig diskutiert wurde – auch im Büro - war das gesunde Grünzeug. Außer Frauchen fanden alle, dass das eine Qual für mich darstelle. Aber Frauchen hatte inzwischen so viel gegoogelt und sich auch mit dem netten Biologen noch ein paar Mal unterhalten, dass ich die Vitamine immer wieder in meinem Napf vorfinde. Pansen oder Fleisch solo ist mir ehrlich gesagt lieber. Aber ich gewöhne mich auch an den gesunden Teil in der Nahrung.

Heute kann ich sagen, dass Barfen mein Leben ganz schön verändert hat. Nach nur 8 Wochen der Rohfütterung habe ich mittlerweile 1,5 Kilo abgenommen, ohne hungern zu müssen. Ich habe das Gefühl, um Jahre jünger zu sein. Ich bin quirlig und lustig und freue mich meines Lebens. Dinge, die ich seit meiner Jugend nicht mehr kannte. Mit anderen Artgenossen hatte ich bisher immer ein sehr ambivalentes Verhältnis. Wirklich interessiert haben mich nur Weibchen, und auch nur dann, wenn sie läufig waren. Alle anderen Hunde waren mir egal. „Ok, kurzes Beschnuppern und Guten Tag sagen, aber bitte nicht zu aufdringlich werden“, war meine Devise. Im Grunde genommen bin ich sehr friedfertig, aber der eine oder andere aufdringliche Welpe hat meine Erziehungsmaßnahmen schon zu spüren bekommen. Meine Geduld kannte eben Grenzen. Und heute? Die Kleinen können sich viel mehr rausnehmen als frührer. Ich lass sie mit einem Blick gen Himmel, gewähren. Und bei den erwachsenen Hunden nehme ich mir zumindest die Zeit für einen kurzen Plausch.

Waren Nachtspaziergänge, Geräusche und schlechtes Wetter für mich früher eher ein Grund, zu Hause zu bleiben, freue ich mich heute über jeden Spaziergang. Auch Silvester kann mir nicht mehr so viel anhaben. Ach ja, und meine Gelenkschmerzen sind auch verschwunden.

Vor kurzem hat Frauchen ein ziemlich gruseliges Buch von einem Herrn Grimm gelesen, in dem es um Tierfutter geht und um Dinge die dort drin sind, aber nicht reingehören. Ich glaube, spätestens nach diesem Buch wäre sie sowieso auf das Barfen umgestiegen.

Warum ernähren immer noch so viele Menschen uns Vierbeiner nicht artgerecht? Die Tierärzte, denen sie ja in aller Regel vertrauen, wissen es anscheinend nicht besser oder sind in der einen oder anderen Weise von den Herstellern unseres Futters abhängig.

Es ist wie mit so vielen Dingen des Lebens, man muss sich selber schlau machen. Aber eines ist sicher: Wer einmal verstanden hat, was Trockenfutter & Co bei uns Hunden an Spätfolgen anrichten können, der wird uns dieses Zeug nie mehr füttern.

Ich wünsche all meinen Artgenossen ein besseres, weil gesünderes und artgerechteres Leben mit Rohfutter.

Euer Carlos

Carlos

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