„Barfen, rohes Fleisch, da ist doch nicht alles drin, davon werden Hunde doch aggressiv und mangelernährt!“
Diese Vorurteile habe ich schon zuhauf gehört. Wer meine Hunde kennt, lässt sich gerne vom Gegenteil überzeugen. Häufig habe ich schon ungläubiges Staunen geerntet:
„Wie, alles roh? Fressen die denn das?“
„Sie fressen das, und zwar super gerne!“
Barf ist eine leider noch relativ unbekannte Ernährungsweise. Ich war auch ein überzeugter Trockenfutterfan, ist ja auch einfach und bequem und der Hund bekommt alles, was er braucht (leider auch vieles, was er sicher nicht braucht!). Natürlich habe ich mich mit den Inhaltsstoffen auseinandergesetzt und eines von den besseren Trockenfutter-Sorten gekauft. Unser Charly hat das auch jahrelang gefressen, wenn auch nicht mit großem Appetit. Gelegentliches Ausleeren des Mageninhaltes in die verkehrte Richtung und diverse Durchfälle waren normal… halt ein Hund mit einem empfindlichen Magen. Dabei hatte ich schon ein Sensitive-Futter, mehr geht doch nicht! Was von der Futtermittelindustrie so hoch angepriesen wird, muss doch richtig sein!
Als unsere Bianca aus Griechenland 2004 bei uns einzog, war ich überzeugt, das Richtige zu füttern. Na ja, Bianca war da völlig anderer Meinung. Trockenfutter war nicht ihr Ding… sie fraß, aber eben nicht gerne! Die Menge musste ich aufgrund ihres Gewichtes so reduzieren, dass sie kaum noch etwas im Napf hatte.
Nach den ersten notwendigen Blutuntersuchungen beim Tierarzt traf uns die nicht ganz unerwartete, aber trotzdem niederschmetternde Diagnose: Bianca hat Leishmaniose!
Unter den Medikamenten, die Bianca bekommt, ist eine purinarme Ernährung notwendig. Es geht zwar auch ohne diese spezielle Ernährung, aber ich wollte auf keinen Fall, dass Bianca durch falsches Futter zusätzliche gesundheitliche Probleme bekommt, bzw. einem Tierarzt bei der Finanzierung des Ferraris helfen.
In einem Forum hatte ich schon über Barf mitgelesen, mir Informationen geholt. Trotzdem waren da noch Zweifel: Wie viel Zeitaufwand ist das für zwei Hunde, wie teuer wird das, bekommen meine Zwei damit alles, was sie brauchen, wo bekomme ich so viel Fleisch zu vernünftigen Preisen her? Schließlich tut die Futtermittelindustrie ihr Bestes, um uns Hundehaltern zu suggerieren, dass nur im Trockenfutter alles drin ist was Hund tagtäglich braucht. Tagelang hatte ich übers Internet die verschiedensten Futtersorten angesehen, die richtige Zusammensetzung für Biancas Bedürfnisse war nirgendwo dabei. Also entschloss ich mich, das Thema Barf endlich anzupacken. Der Einfachheit halber sollte Charly auch auf das rohe Futter umgestellt werden.
Es hat ein wenig gedauert, bis sich alles eingespielt hatte, vor allen Dingen bis sich mein schlechtes Gewissen gelegt hatte, dass die Hunde eventuell mangelernährt werden. Ich habe Bücher über Barf gewälzt und war immer wieder erstaunt, was Hund alles fressen, bzw. was man mit Kräutern, Gemüse und der richtigen Zusammensetzung des Futters alles unterstützen kann.
Heute weiß ich, woher ich mein Fleisch beziehe, Gemüse kaufe ich, wo es gerade günstig ist. Das Gemüse wird püriert und portionsweise eingefroren, das erleichtert die Handhabung. Der Rest (Eier, Fisch, Milchprodukte, Kräuter) ist sowieso Bestandteil meines Kühlschrankinhaltes oder meiner Vorratsschränke (Öl, Nüsse, Honig, etc.).
Meine Zweifel haben sich alle restlos zerschlagen. Ich gebe zu, der einzige Nachteil ist, dass das Pürieren des Gemüses ein klein wenig mehr Zeit erfordert, als das Trockenfutter einfach in den Napf zu kippen, aber was ist dieser winzige Nachteil gegen all die Vorteile, die sich aufgetan haben!
- Ich kann das Futter in seinen Bestandteilen auf den einzelnen Hund und seine Bedürfnisse zusammenstellen.
- Die Kosten sind nicht höher als bei einem guten Trockenfutter.
- Es hat noch keinen Tag gegeben, wo der Napf nicht restlos blank gefuttert wurde.
- Beide Hunde haben ein tolles Fell bekommen.
- Die Hunde wirken viel vitaler.
- Charly hatte seither keine Probleme mehr mit seinem Mageninhalt und seinem Output.
- Biancas Blutwerte sind alle im grünen Bereich.
- Trotz krankem Leishmaniose-Hund sieht der TA uns nur selten.
- Output der Hunde ist super.
Und noch eine wichtige Veränderung hat es gegeben: Kein lästiges Mitschleppen von gigantischen Trockenfuttermengen in unseren dreiwöchigen Urlaub! Alles was ich brauche, kaufe ich entweder im Supermarkt oder beim Schlachter vor Ort. Der Pürierstab fürs Gemüse nimmt nicht viel Platz weg, die Mengen und Zusammensetzungen für jeden Hund habe ich mittlerweile im Kopf.
Wir barfen jetzt seit 1 ½ Jahren,
meinen „KölnWuffels“ geht es so gut wie nie!
