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Barfgeschichten mit Berner Sennenhund Rico
Denise Bohnen (Januar 2008)

Rico
Rico im Mai 2007
Unser Berner Sennenhund Rico kam letztes Jahr im April im Alter von 9 Monaten zu mir und meinem Partner. Der Vorbesitzer erzählte uns, dass Rico gebarft wurde und wir schauten ihn erst einmal mit großen Augen an, weil wir überhaupt nicht wussten, was Barf war. Er gab uns eine Broschüre, einen Futterplan und gefrorenes Frischfleisch für vier Wochen mit.

Die Broschüre habe ich mit Interesse gelesen und dachte überhaupt nicht daran, Rico mit Trockenfutter abzuspeisen, zumal der arme Kerl schon genug Stress durch den Umgebungswechsel hatte und nun nicht auch noch eine Futterumstellung gebrauchten konnte.

Außerdem musste er noch sehr viel lernen und da kam mir das Rohfütterungs-Prinzip gerade recht, sodass als Leckerchen Obst und Gemüse diente, nachdem eine Packung Hundekuchen in Rekordzeit verbraucht worden war...

Wir legten uns eine separate Gefriertruhe für das Fleisch und die Knochen zu und machten uns dann auf die Suche nach einem geeigneten Fleischlieferanten. Den fanden wir auch bald und ich stöberte mit Begeisterung in der Futterfundgrube ob der großen Auswahl.

Bekannte von uns zeigten sich skeptisch gegenüber unserer Fütterungsmethode, weil es doch solch ein Aufwand sei, dem Hund frisches Fleisch und frisches Gemüse zu füttern. Wir sahen das überhaupt nicht so, denn das Fleisch wird am Vortag aus der Truhe zum Auftauen geholt, ebenso wie das Gemüse, das vorher noch abgewogen wird. Vor der Fütterung wird das aufgetaute Gemüse püriert, mit dem Fleisch gemischt und ein wenig Öl hinzugefügt. Spätestens dann steht Rico in der Küche und wartet darauf, den Löffel abschlecken zu dürfen.

Je nachdem, was in den Napf kommt, atme ich allerdings durch den Mund. Viele Leser würden wahrscheinlich vermuten, dass mir das bei Pansen und Blättermagen passiert. Aber weit gefehlt. Damit hat mein Partner Probleme, während es bei mir Euter ist. Bei diesem Geruch könnte ich mich schütteln, während Rico schon sabbernd neben mir steht. Also füttere ich meist Pansen und Blättermagen, während mein Partner Euter füttert. Eklig wird es bei diesen Fällen dann nur, wenn Rico rülpst und man zufällig in der Nähe steht. Kurze Zeit später riecht man aber nicht mehr, was er zu Fressen bekommen hat.

Mundgeruch kenne ich von meinem Hund nicht. Auch sein Fell stinkt nicht und glänzt vor Gesundheit. Das war auch ein Vorteil des Barfen, wie ich gelesen habe: Dass der Hund gesünder ist. Während unsere Nachbarn ihrem Hund die Zähne putzen, bekommt Rico zwei Mal in der Woche Knochen und hat ein lupenreines Gebiss.

Für Freunde und Bekannte, die uns besuchen kamen und Rico etwas mitbringen wollten, war es eine Erziehungssache, bis sie endlich nicht mehr die konventionellen Leckerlies mitbrachten. Jetzt kommt es häufig vor, dass Freunde mit einer Banane oder einem Apfel in der Hand vor der Tür stehen.

Bei der letzten Party jedoch bekam Rico unbemerkt von einem Gast einen Kaustreifen in der Geschmacksrichtung Ente/Pute oder so ähnlich mit einer merkwürdigen gummiartigen Konsistenz zugesteckt. Daraufhin verweigerte er natürlich das angebotene Stück Möhre, denn die „chemischen Kaustreifen“, wie wir sie nennen, schmecken natürlich intensiver und riechen besser als frisches Gemüse. Erst als Rico merkte, dass er keine Kaustreifen mehr bekommen würde, nahm er unsere Leckerlies an.

Das war wiederum ein Grund mehr, beim Barfen zu bleiben. Natürlich bekommt Rico von uns auch Hundekuchen, aber die backe ich entweder selber (wobei ich nie gedacht hätte, dass ich einmal zur „Öko-Hundemutter“ werden würde) oder kaufe sie in Barf-Shops. Dabei muss ich kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich sie füttere und ich weiß, was darin enthalten ist.

Ehrlich gesagt achte ich auf die Ernährung des Hundes mehr als auf meine – wobei ich mich selber allerdings auch nicht ungesund ernähre. Aber durch das Barfen kann ich Ricos Gewicht gut kontrollieren – sollte er einmal zu dick werden, bekommt er eben Lunge statt der Methode Friss-die-Hälfte und muss nicht hungern.
Quarkschnute
"Quarkschnute" Rico

Sonntags ist Ricos vegetarischer Tag. Morgens bekommt er Hüttenkäse, Quark, Flocken und Obst. Manchmal auch ein hartgekochtes Frühstücksei, das er sich auf seiner Lieblingsdecke pellen kann – ein richtiges Schauspiel! Sonst bekommt er die Eier roh, aber das Pellen macht ihm viel Spaß.

Abends gibt es entweder Reis mit Gemüse oder Fisch. Laut Vorbesitzer würde Rico den Fisch ganz fressen. Doch als wir ihm das erste Mal Hering am Stück vorsetzten, schaute er uns ratlos an. Selbst kleingeschnitten mochte er den Fisch nicht fressen. Wir haben natürlich nicht sofort aufgegeben und nach und nach andere Sorten probiert. Den Dosen-Thunfisch in eigenem Saft verschlingt Rico mit Begeisterung. Im Urlaub ließ ich ihn ein Stück meines Bismarckherings probieren – der wurde ebenso verschlungen wie das hingehaltene Stück Matjes. In der Hinsicht ist Rico verwöhnt: Er frisst den Fisch nur so, wie wir Menschen ihn auch essen würden.

Letzten Sonntag jedoch hielt ich ihm ein Stück rohes Seelachsfilet hin. Das nahm er dann ganz vorsichtig auf, kaute gequält darauf herum und spuckte es dann aus. Er sah mich an, als ob er sagen wollte „Das ist kein Thunfisch!“. Als ich ihm den Fisch erneut hinhielt, fraß er ihn dann aber. Und im Napf, zusammen mit seiner Kräutermischung, machte es Rico auch wenig aus, dass es nur „Seelachs“ war.

Man sieht unserem „Dicken“ immer sehr gut an, wenn er etwas nicht kennt, was in seinem Napf liegt. Letzten Sommer ließ ich ihn ein Stück Zucchini probieren. Das wurde misstrauisch beäugt und dann regelrecht verschlungen.


Zu seinem Geburtstag letzten Jahres bekam Rico Kaninchenköpfe serviert. Wer einen schwachen Magen oder Mitleid mit den Kaninchen und deshalb Ekel hat, der sollte diesen Absatz überspringen und unten weiterlesen. Das erste Mal kamen wir uns vor wie Hamlet, als wir die „Totenschädel“ in der Hand hielten.

Rico überschlug sich fast, als er den ersten Kaninchenkopf bekam. Ihm hat es sichtlich geschmeckt und die Knochen wurden mit wahrer Wonne verschlungen. Meist wandert Rico von seinem Lieblingsteppich zu seiner Decke, wenn er Knochen frisst und das tat er auch dieses Mal. In dem Moment, als er den Kaninchenkopf hoch hob, fiel das Hirn heraus und purzelte munter über den Boden.

Es war ein Moment der Situationskomik, den ich nie vergessen werde und der manch einem Mitglied aus meiner Familie, dem ich die Geschichte erzählte, den Magen herumdrehen ließ.


Wie schon oben geschrieben bekommt Rico das Gemüse aus der Tiefkühltruhe, weil es zum einen häufig billiger ist, zum anderen schneller zubereitet und abwechslungsreicher, da man nicht die ganze Woche über das gleiche füttern muss. Letzte Woche gab es Tiefkühlgemüse im Angebot und ich kaufte fünf 1kg-Beutel. Mein Einkaufswagen sah so aus, als würde ich unglaublich gesund leben. Wenn ich darauf angesprochen werde und antworte, dass das überwiegend für den Hund ist, schauen die Leute mich ganz argwöhnisch an und würden sicherlich am liebsten die Leute mit den weißen, engen Jacken bestellen.

Für uns ist es immer wieder eine Bestätigung, dass Rico das Barfen schmeckt, wenn wir anfangen eine Banane zu schälen. Sobald er das Knacken der Schale hört, läuft ihm das Wasser im Maul zusammen und läuft wie ein Wasserfall heraus. Bei keinem anderen Nahrungsmittel sieht er einen so bemitleidenswert an, wie bei Bananen. Wenn ich die mit ihm teilen wollte und jeder abwechselnd einen Bissen nehmen würde, sähe die Sache für mich schlecht aus. Denn Rico beißt so große Stücke ab, dass die Banane in zwei Happen weg wäre. Also breche ich ihm kleine Stücke ab, füttere ihn damit und wische hinterher den See vom Boden auf, den er produziert hat...

Wir konnten dem Barfen bisher also nur Positives abgewinnen und würden es immer wieder machen.

Rico
Rico im Alter von elf Monaten


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