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Ein lustiges Barferlebnis
Michaela Gruentjens (Januar 2008)

Tyco
Tyco

VERSPROCHEN!!!

Hauptdarsteller:
Ein 10 Wochen alter Malinois.
Eine Rinder-Luftröhre.
Ein abgebrochener Ast.

Eigentlich ein ganz normaler Tag. Herrchen hat im Garten die Bäume „zurecht geschnitten“, wie er meint, für mich war das die tollste „Stöckchenproduktion“, könnte er ruhig öfter machen. Nur meinte er, er müsse alle Stöckchen klein schneiden und auf den Komposter legen.

Na ja, nach der „ichweissnichtmehrdie-
tausenderanzahl“ der Überredungskünste und “Stöchenendlichhabenwill- Versuche“, habe ich doch noch einen tollen Stock abbekommen, jawohl, meine Überzeugungskunst wieder.

Kaum die „Zahntüchtigkeitsprüfung“ dieses Holzes begonnen, kommt Frauchen zum Füttern. „Lass es dir schmecken“, höre ich und bekomme „etwas“ in die Wiese gelegt.

Kritische Blickmusterung aus der Distanz. Kein Napf, sondern da liegt „Etwas“ im Gras. Wer bist du denn?? Freund oder Feind? Hm, keine Ahnung, Unsicherheit, Vorsicht, Mut und Angst kämpfen miteinander. Dann mache ich, der Malinois, den ersten Schritt. Bewege mich auf „Unbekannt“ zu, langsam, geduckt, fast schleichend wie eine Katze. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Nur nicht zu schnell an den Gegner ran, immer langsam. Dann ein plötzlicher Stopp, die Ohren taktieren in alle Himmelsrichtungen. Hat er sich bewegt? War da ein „Zucken“, kam da ein Laut von „Unbekannt“? Warnt er ? Knurrt er? Was will er mir sagen? Hm, was war das denn, verstehe es nicht, zu undeutlich, was nun, was tun, zweifeln, also:

Taktik ändern. Sofortiger Richtungswechsel, kein „Frontalangriff“, sachte von Seite nähern… mehr Chancen, immer schön langsam, mit Bedacht… schleichen in Zeitlupe… Seitenansicht ist ganz anderes, da hat es so, hm, ein Auge, ein Maul, einen Eingang?!? Na ja, mal schauen… Vorwärts, los…

Dann, der erste Kontakt, ein vorsichtiges Schnuppern, langsam hebe ich den Kopf meine Nase arbeitet auf Hochtouren… den Blick fest auf „Unbekannt“ gerichtet. Geruch: Blutig, knorpelig, fast etwas fleischig, eher die Richtung, Speiseplan, Rind vielleicht, weniger Duell- oder Kampf-Gegner, aber erstmal taktischer Rückzug… Abstand gewinnen, Rückzug. Rückwärts, Hilfe, ein Angriff aus dem Hinterhalt, ich stolpere, arghh, eine Attacke, na warte, ich zeige es dir, du lernst meine dolchartigen Milchzähne noch kennen, du… du Stock du, … Stock, he, was, wie? Der hat mich attackiert??? Nicht „Unbekannt“?

Blitzartiges Umdrehen, da… Da ist „Unbekannt“, immer noch in derselben „Kampfposition“, hat sich gar nicht bewegt, er hat mich gar nicht attackiert, das war nur der Stock von vorhin, der da hinter mir lag. Puh, Glück gehabt. Kurze Verschnaufpause, erstmal beruhigen, Kräfte sammeln, neue Taktik zurechtlegen.

So, jetzt streng mal dein Malihirn an, wie gehe ich es an? Vielleicht von der anderen Seite? Ja, eine gute Idee. Schnell wie der Pfeil springe ich laut bellend auf die andere Seite, mein Gegner verbleibt laut- und bewegungslos in der Ursprungsposition. Hm, na gut, mal sehen, wie „Unbekannt“ von der anderen Seite aussieht. Ergebnis: kein Unterschied! Auch wieder dieses runde, Auge? Maul? Teil? Sonstiges? Hm, na ja, jetzt fasse ich meinen ganzen Mali-Mut und gehe nach vorne, inspiziere vorsichtig dieses runde „Teil“. Kontakt, hm, nix passiert, kein Schnappen, kein Laut zu hören, na gut, vorsichtig stecke ich meine Nase in dieses „Teil“, sauge tief die Luft ein, Hey, was war das für ein Geräusch, spricht das „Teil“ doch?

Jetzt aber nicht mehr, seltsam. Also noch mal, vielleicht muss ich ja meine Nase tiefer reinstecken und meine Nase noch besser einsetzen, damit das „Teil“ spricht… Also tief die Nase rein und kräftig ein- und ausatmen: Da ist es wieder das Geräusch, aber ich verstehe nicht, egal. Aber, da drin richt es gut, undefinierbar, aber einfach gut. Hm, mal ein Auge riskieren: ne, nix drin, noch mal schnüffeln, riecht immer noch lecker. Hm. Moment, auf der anderen Seite war doch auch so ein rundes „Teil“, oder? Schnell mal hinflitzen, da schell die auf Hochtouren arbeitende Malinase tief reinstecken und Riechzellen anstrengen: Riecht genauso fein wie auf der anderen Seite, aber, die Augenkontrolle zeigt auch leider hier: Nix drin .Hm. Aber er riecht doch so toll.

Tyco


Grübel.

Ha, ich hab’s: Frauchen hat die Füllung geklaut, jawohl, die hat das „Teil“ doch schon gestern Abend in der Küche gehabt und zu mir gemeint, als ich es neugierig aus der Ferne beobachtete: “Das gibt’s erst morgen, was ganz Feines“ Ha, genau, so muss es sein, Frauchen klaute sich die Füllung und gibt mir nur die Verpackung! Frechheit! Aber, vielleicht habe ich ja Glück und finde noch einen Rest, also, Attacke.
In Windeseile schlitze ich das Teil wie mit einem Lineal gezogen, ja, ich kenne Lineale, und zwar sind die aus Holz, eben so ein gerades flaches Stöckchen mit Zahlen drauf, also jedenfalls schlitze ich das Teil von oben nach unten, oder von unten nach oben, sucht euch was aus, egal, na ja am Ende lag dieses „Teil“ flach wie ein Blatt Papier, ja, ich kenne Papier, Zeitungspapier, Druckerpapier… aber ich schweife ab.

Jedenfalls liegt dieses „Teil“ flach da und was sehe ich?: Keine Füllung, nix, leer, rein gar nichts, Luft, ein Lufti? Genau, jetzt hab ich’s, ein Lufti ! Ohne Füllung!!? Frechheit, aber: Warte nur ab Frauchen, das nächste Mal hole ich mir das Teil und dann bekomme ich die Füllung ab, jawohl, bestimmt, ganz bestimmt, versprochen.

Dein Mali
Tyco

Tyco


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