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Barf?
Daniela Tschepe (Januar 2008)

Inca
Inca

Wie viele Menschen in Deutschland entdeckte ich vor einigen Jahren das Internet. Alles war neu und aufregend und mich schlug vom ersten Tag an eine Seite besonders in ihren Bann: Bei „yorkies“ gab es ständig Neuigkeiten rund um den Hund und ich konnte mich nach Herzenslust mit Gleichgesinnten austauschen. In den einzelnen Bereichen des Forums wurde zum Teil heiß diskutiert – vor allem auch in Sachen „Ernährung“. Jedes Trockenfutter wurde auseinander genommen, in den Himmel gelobt und wieder verworfen.

Und dann gab es noch die Barfer. Die waren mir bald nicht mehr geheuer. Rohes Fleisch füttern? Ich bin doch nicht verrückt! Das Ganze kam mir bald wie eine Sekte vor, jeder Andersdenkende wurde beschimpft, nur Barfen war das einzig Wahre und Beste. Jeder Nicht-Barfer wurde verteufelt und ich verlor bald die Lust, mich dafür entschuldigen zu müssen, dass ich Tierquäler Trockenfutter fütterte. Meinen Hunden ging es gut!

Die Jahre vergingen, meine Hunde wurden älter und es gab inzwischen ein paar mehr Informationen, wenn auch spärlich, zu Barf. Plötzlich hielt ich die erschütternde Diagnose meines Briardrüden in den Händen: Beginnendes Nierenversagen neben seiner Autoimmunerkrankung, die wir sowieso seit Jahren in Schach halten mussten.
Balzak
Briardrüde Balzak

Ich begann mir wieder Gedanken über die Ernährung zu machen. Was hatte ich noch zu verlieren? Meinem Hund ging es schlecht und es würde ihm bald noch viel schlechter gehen, wenn ich nicht irgendetwas ändern würde. Ich las Berichte über die Funktionsweise der Niere, über Diätmöglichkeiten und schließlich landete ich wieder im Internet beim Thema Barf. Dieses Mal gab es schon wesentlich mehr und sachlichere Beiträge zu dieser Art der Fütterung. Nach ein paar Tagen des Sammelns von Informationen ging es zum Einkaufen und an die ersten – noch sehr ängstlichen – Versuche der Futterzusammensetzung. Das ist nun auch schon wieder eine ganze Weile Geschichte.

Mein Hund hat mit der Rohfütterung noch mehr als zwei schöne Jahre gehabt und ist recht alt geworden. Mehr noch: Seine Autoimmungeschichte hätten wir vermutlich mit dieser Art der Fütterung sehr viel besser und schneller in den Griff bekommen, denn erstaunlicherweise bekamen wir ihn mit Fleisch, Gemüse und wenig Getreide auch in diesem Punkt symptomfrei.

Heute ist es für mich normal, alle zwei, drei Wochen Fleisch holen zu fahren. Rind, Pansen und Karkassen sind für mich normale Begriffe geworden. Längst mach ich mir keine Sorgen mehr, ob ich meine Hunde unter- oder überversorge.

Meine Unsicherheit schwand zusehends, vor allem als ein Zoologe auf einem Vortrag bemerkte: „Füttern Sie abwechslungsreich, so ist es in der Natur auch.“ Ich habe mir ein umfangreiches, aber auch sehr interessantes Buch über Ernährung gekauft und es hat mir Spaß gemacht, daraus zu lernen.

In der ersten Ausgabe des Gesunde Hunde Magazins stand ein Artikel, der genau meiner Meinung wieder spiegelte: „Das Brimborium um Barf...“ Mich hat dieses Brimborium so erschreckt, dass ich es jahrelang zur Seite schob. Mich hat es so abgestoßen, dass ich mich heute noch nicht „Barfer“ nenne. Ich füttere meinen Hunden eben rohes Fleisch, Gemüse, Obst, Öl und anderes. Fertig.

Trockenfutter wird von mir nicht verteufelt, es muss jeder selbst wissen, was er füttern möchte. Ganz kann ich auch nicht darauf verzichten, das ist aus übungstechnischen Gründen in meinem Alltag nicht machbar. Wenn mich einer danach fragt, erzähle ich ihm, was ich füttere, aber ich versuche keinen mit Gewalt zu bekehren. Was das bringt, weiß ich aus eigener Erfahrung!

Kiwi

Briardrüde Kiwi, 15 Monate alt


Inca

Inca, 10 Jahre alt


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