Lupos Barfgeschichte
Sarah Wagner (Januar 2008)
Vier Monate waren vergangen, seit wir unseren letzten Hund verloren hatten. Der Schmerz saß tief und eigentlich wollten wir uns keinen neuen Hund mehr zulegen, wir wollten unseren Dox nicht einfach ersetzen. Mein komplettes Leben (also 19 Jahre) habe ich mit Hunden verbracht, wobei mir und auch meiner Familie der letzte der liebste war. Diese vier Monate ohne Hund haben mir aber gezeigt, dass ein Leben ohne diese treuen Begleiter für mich eigentlich gar nicht denkbar ist. Es fehlte einfach etwas und die Sehnsucht nach einem neuen Hund wuchs Tag für Tag.
In unserer Zeitung entdeckte ich dann eine Anzeige von einem Mischlingswurf ganz in unserer Nähe. Diese Anzeige ließ mich nicht mehr los, also überzeugte ich meinen Vater, dass wir die Welpen ja wenigstens mal besuchen fahren könnten. Das war eigentlich die halbe Miete, denn offenbar zog er jetzt zumindest auch in Betracht, sich einen neuen Vierbeiner anzuschaffen und einmal da konnte er bestimmt nicht mehr nein sagen.
Wir machten mit der Familie einen Besichtigungstermin aus. Es handelte sich um Border-Collie-Mix-Welpen, der Vater war ein reinrassiger Border Collie, die Mutter ein Terriermischling. In den folgenden Tagen informierte ich mich ausführlich im Internet über Eingewöhnung, Erziehung, rassespezifische Merkmale, Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten und selbstverständlich auch über die Ernährung. In diesem Zusammenhang stolperte ich in einem Forum das erste Mal über den Begriff „B.A.R.F.“, habe das aber schnell als „Spinnerei“ und „Übertreibung“ abgehakt und mich nicht weiter damit auseinander gesetzt.
Dann war er da, der Tag, dem ich so entgegen gefiebert hatte. Wir machten uns auf den Weg und die Spannung wuchs, als wir endlich an der Haustür standen und die Klingel betätigten. Als sich die Tür öffnete, begrüßte uns der Familienvater mit seiner kleinen Tochter sowie die Hundemama und der Hundepapa. Wir kamen in das Esszimmer und in einer Wurfkiste tummelten sich fünf 8 Wochen junge schwarz-weiße Fellknäuel, 4 Hündinnen und ein Rüde. Ursprünglich waren es 5 Hündinnen und zwei Rüden gewesen, zwei waren bereits abgeholt worden. Wie erwartet, konnte jetzt auch mein Vater nicht mehr nein sagen. Wir suchten uns den Rüden aus und für schlappe 90 Euro war er nun Teil unserer Familie. Nach langem Hin und Her bekam er den Namen „Lupo“ in Anlehnung an lateinisch „Lupus“ für „Wolf“.

Lupo
Zu Hause angekommen bekam er sein Begrüßungsgeschenk, mit dem er sich gleich ausgiebig beschäftigte. Hier zeigte sich bereits seine ausgeprägte Spielleidenschaft. Etwa nach einer halben Stunde im neuen Heim bekam er gleich Besuch von „Sammy“, einen Mischlingsrüden aus dem Nachbarort, mit dem er auch gleich Freundschaft schloss.
In den folgenden Wochen und Monaten wuchs er dann zum Junghund heran. Er zeigte sich stets freundlich Menschen gegenüber, ziemlich offen und neugierig gegenüber Unbekannten und in seinem jugendlichen Leichtsinn auch sehr mutig. So zog er sich mit vier Monaten eine schwere Gehirnerschütterung zu, weil er der Meinung war, ein hohe Mauer herunter springen zu müssen. Leider zeigte sich auch, dass Lupo generell recht anfällig für Krankheiten war. Wir waren überdurchschnittlich oft beim Tierarzt, außerdem hatte er ständig Probleme mit Durchfall.

Lupo kurz nach dem Klinikaufenthalt
mit noch liegendem Venenzugang
Am nächsten Morgen kam dann die erlösende Nachricht: Lupo ging es deutlich besser. Er musste aber noch weiter therapiert werden und deshalb noch mindestens einen Tag bleiben. Am nächsten Tag konnten wir ihn dann früher als geplant abholen, denn er fing wohl an in seiner Box zu randalieren. Ich war überglücklich, als er mich schwanzwedelnd begrüßte. Er humpelte ein wenig, weil er noch den Venenzugang liegen hatte. In den nächsten Wochen musste er noch weiter Cortison nehmen. Was es letztlich war, wissen wir bis heute nicht genau. Am wahrscheinlichsten ist laut Ärzten eine Infektion des zentralen Nervensystems, weil er ständig am zittern war und nicht mehr laufen konnte, denkbar wäre aber auch eine Vergiftung.
Mit dem Zittern musste er sich auch noch eine Weile herumschlagen, denn das ging erst mit der Zeit weg. Er hat sich zum Glück aber wieder vollständig erholt. Aber da wir trotzdem nicht mit letzter Sicherheit wissen, was genau es war und wodurch es ausgelöst wurde, schwingt immer so ein bisschen die Angst mit, dass es vielleicht wiederkommen könnte.
Als er dann neun Monate alt war, bahnte sich schon das nächste Problem an: Er bekam Hautausschlag. Dieser wurde mit Cortisonsalbe behandelt und ging damit zunächst weg. Eine Woche später war er wieder da. Diesmal nicht nur am Bauch, sondern auch an den Beinen und an der Brust.
Ich erinnerte mich daran, was ich schon mal über B.A.R.F. gelesen hatte und beschloss, mich jetzt doch etwas genauer damit zu beschäftigen. Mir fiel buchstäblich die Kinnlade herunter, als ich las, was alles im Fertigfutter enthalten sein konnte und welche Auswirkungen das auf den Hundeorganismus hatte. Jetzt konnte ich mir vorstellen, warum er so anfällig war, warum er ständig Durchfall hatte und warum er jetzt Hautausschlag bekam. Dieses Zeug, was er sowieso nie gerne gefressen hat, sollte er nicht mehr bekommen.

Knochen sind toll
Und dann kam das Fleisch, endlich! Lupo wurde quasi von jetzt auf gleich umgestellt. Ich war gespannt, wie er reagieren würde und vor allem ob er das Gemüse annahm. Doch es gab keine Probleme, Lupo schlang das Gemüse runter als hätte er nie etwas besseres bekommen. Als er dann das Fleisch bekam hat er sich glaube ich zum ersten Mal richtig über sein Fressen gefreut. Genüsslich verspeiste er es und ich wusste, der kleine Kerl ist mir jetzt richtig dankbar.
Mittlerweile ist er 16 Monate alt, wir barfen ihn jetzt also seit etwas mehr als einem halben Jahr. Lupo freut sich auf jede seiner Mahlzeiten und ist jedes Mal gespannt, was er wohl kriegen wird. Auch ich liebe es, ihn zu beobachten wie er Fleisch oder Knochen bearbeitet und wie zufrieden er dabei ist.

Lupo mit 16 Monaten
Der Hautausschlag ist verschwunden und kam nie wieder. Mit Durchfall hat er auch keine Probleme mehr und er ist insgesamt viel fitter und lebensfroher geworden, was sich auch merkbar positiv auf seine Ausbildung zum Rettungshund auswirkt.
Auch meine Eltern sind mittlerweile überzeugt von der Rohfütterung und ich bin froh und auch stolz auf mich, dass ich diesen Schritt getan habe. Ich bin mir sicher, durch B.A.R.F. habe ich meinem Hund etwas Gutes getan und ihm vielleicht sogar ein paar Lebensjahre mehr geschenkt.