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Ergebnisse des Wettbewerbs:
Lustige Tiergeschichten - 02.11. - 31.12.08

 

Liebe Leserinnen und Leser,

in unserem dritten Wettbewerb ging es um selbst erlebte lustige Begebenheiten mit Tieren.

Die drei besten Geschichten wurden mit einem Warengutschein von Hund & Sport belohnt.

Gewonnen haben die Geschichten

 

1. Platz: Wollte doch nur einen Döner von HeiJaJo

2. Platz: An Tagen wie diesem von NeArPoLI

3. Platz: Rieke - die Bellerei hört jetzt auf! von Lottemaus

 

In der Bewertung knapp dahinter lagen die Geschichten
"Hormonverdruss", "Skilla, die Torte und andere Katastrophen" und "Barny"

Die Geschichten sind im Forum unter "Wettbewerbe" nachzulesen.

 

 

 

Die Geschichten der drei Gewinner (Kopien aus dem Forum):

 

 

1. Platz: Wollte doch nur einen Döner von HeiJaJo

 

Wißt Ihr, wie es ist, wenn man sich etwas ganz doll wünscht, es aber nicht bekommt? Das kribbelt in den Beinen, juckt in der Nase, zieht im Herzen. Es ist wie Weihnachten ohne Geschenke.

So war das an diesem Tag, der mich vielleicht für den Rest meines Lebens an die Leine verbannen wird.

Frauchen, mein Hundekumpel und ich waren in der Stadt unterwegs. Ich wohne noch nicht lange hier und kannte die Gegend nicht. Aber eines erschnupperte ich sofort: den Dönerladen an der Kreuzung! Dort, wo ich herkomme, gab es Döner reichlich in den Mülltonnen. Der Geruch war mir gleich vertraut!

Aber Frauchen zog uns einfach weiter. Sie erinnerte sich erst später daran, daß sich an dieser Ecke ein Dönerladen befindet. Und weil Menschen sich einfach nicht in uns Hunde hineinversetzen können – sie können auch nur verdammt schlecht riechen -, war es ihr egal, daß Döner für mich wichtig ist.

Frauchen führte uns zu einer Hundewiese. Jemand hatte ihr den Tip gegeben. Eine Hundewiese, auf der man die Hunde ohne Leine laufen lassen dürfe. Prima, dachte Frauchen. Hunde dürfen so selten von der Leine, also mußte der Trip in die Stadt ausgenutzt werden. Und dann war die Hundewiese auch noch gebüschfrei! Vor Gebüschen hat Frauchen eine panische Angst. Das kann ich gar nicht verstehen, denn ich liebe Gebüsche. Wenn man mich läßt, verschwinde ich darin und stöbere alle Kaninchen auf, die sich dort versteckt haben. Frauchen zieht mich jedoch immer gleich weg von diesen tollen Orten, sie muß sich wirklich sehr vor ihnen fürchten.

Kaninchen sind fast so toll wie Döner, und ich erschnüffle sie natürlich sofort. Deshalb entdeckte ich sie auch neben der Hundewiese. Meinen Hundekumpel machte ich natürlich auch gleich darauf aufmerksam. Zwar hatten irgendwelche Leute einen Zaun um das Gebüsch und die Kaninchen gebaut und das Ganze so von der Hundewiese abgetrennt. Aber das macht doch kleinen Jagdhunden wie mir und meinem Kumpel nichts aus! Wir fanden natürlich gleich die Löcher im Zaun, durch die wir verschwinden konnten.

Hei, das war ein Heidenspaß. Frauchen war zu groß für die Löcher, sie sah von außen zu, wie wir beiden die Kaninchen jagten. Immer im großen Kreis hinter den Karnickeln hinterher! Keine Ahnung, ob die das Spiel auch so toll fanden wie wir. Eines hoppelte durch das Loch weg, vor dem Frauchen stand und uns dauernd rief. Es hatte wohl keine Lust mehr auf unser Spiel.

Das Rufen von Frauchen war echt nervig. Erst keinen Döner, und dann will sie auch noch das Spielen mit den Kaninchen unterbinden. Mein Hundekumpel ist besser erzogen als ich. Sagt Frauchen. Er hörte also auf ihr Rufen und ließ mich allein weiterspielen. Na ja, sein Pech. Dafür bekam er nachher auch keinen Döner.

Ich spielte stundenlang. Entdeckte noch mehr Büsche und Sträucher, in denen sich meine hoppelnden Spielkameraden befanden, auch jenseits des Zauns. Wenn Frauchen mich sah, versuchte sie mich einzufangen. Aber ich spiele ja auch gern Fangen – und bin richtig spitze darin! Frauchen hatte also gar keine Chance, sie ist viel zu langsam.

Plötzlich war es dunkel. Stockdunkel. Ich sehe ja nichts mehr, sagte Frauchen zu meinem Kumpel, der ihr brav an der Leine folgte. Gut so, dachte ich. Menschen riechen nicht nur schlechter als wir Hunde, sie sehen im Dunkeln ohne ihre Leuchtstrahlen auch nichts. Und Frauchen hatte kein solches Leuchtstrahlengerät dabei. Weil sie nicht damit gerechnet hatte, viele Stunden auf der Hundewiese verbringen zu müssen.

Ich verhielt mich mucksmäuschenstill. Frauchen wußte offensichtlich nicht mehr, wo ich war. Und da sie nichts mehr sehen konnte, verschwand sie einfach. Weg war sie, und mein Hundekumpel auch. Fein, so konnte ich ungestört neue Kaninchen suchen. Aber upps, Vorsicht, da kommen die beiden ja wieder! Ich belle vorsichtshalber, um meinem Freund anzuzeigen, daß hier noch mehr Karnickel zu jagen sind. Natürlich zerrt er sofort an der Leine und will zu mir, Frauchen rennt hinter ihm her. Einen richtigen Spurt legt sie hin. Aber bevor sie mich erwischen kann, bin ich natürlich weitergeflitzt! Ätsch.

Na ja, so ging das noch eine Weile, bis Frauchen die Lust an diesem Spiel verlor. Ich merkte das nach einer langen Weile. Frauchen und mein Kumpel kamen einfach nicht wieder. Frauchen hatte sich entschieden, nach Hause zu fahren, um so ein Leuchtstrahlengerät zu holen. Ohne Licht finden wir die Kleine nie wieder, sagte sie zu meinem Kumpel. Aber das erfuhr ich erst später.

Ich spielte noch ein bißchen, aber dann hatte ich keine Lust mehr. Plötzlich fehlten mir mein Kumpel und mein Frauchen. Und hungrig war ich auch!

Also wartete ich. Und wartete. In der Hoffnung, daß mein Rudel endlich wiederkommt. Ich wußte nicht, daß Frauchen auf dem Heimweg eine Autopanne hatte, eine halbe Stunde auf den Reparaturservice warten mußte und dann auch nur noch nach Hause fahren durfte. Immer in Panik, was wohl aus mir geworden sei und ob sie mich wiederfinden würde.

Während Frauchen zu Hause einen Bekannten mit Auto kontaktierte und ihre Taschenlampe einsteckte, wurde es mir zu bunt. Ich war hungrig und wollte endlich etwas zu fressen haben! Und wenn mein Rudel nicht wiederkam, dann würde ich mir schon selbst zu helfen wissen. Immerhin kenne ich das ja von früher...

Ich erinnerte mich an den Dönerladen und lief los. Quer über die Wiesen, den ganzen Weg zurück, den Frauchen mit uns gegangen war. Und dann war er vor mir. Der Dönerladen, aus dem es so fein duftete. Leider getrennt durch eine breite Straße. Ich habe noch mehr Angst vor Autos und anderen Ungetümen und Monstern als Frauchen vor Gebüschen. Das war eine absolut gemeine Situation. Dieser wunderbare Duft nach meiner Lieblingsspeise – und vor mir flitzt ein Monster nach dem anderen vorbei! Vorsichtshalber mache ich immer einen Satz rückwärts, wenn eines dieser Ungetüme kommt.

Schließlich war der Duft unwiderstehlich. In einer monsterfreien Pause renne ich also los. Doch mitten auf der Straße verliert mich der Mut. Schon wieder kommt so ein Ungetüm angerast! Erschrocken bleibe ich sitzen. Ich kann nicht mehr vor noch zurück. Überall dröhnende Ungetüme.

Frauchen meint, ich müsse ein ganzes Heer von Schutzengeln gehabt haben. Weiß ich nicht, hab keine Engel gesehen. Nur ein paar Leute, die mir das Hundeherz so richtig erwärmten! Waren sie doch auch auf dem Weg zur Dönerbude. Sie meinten, ich würde wie ein Häufchen Elend auf der Straße sitzen und das ginge ja gar nicht. Da ich so schön klein und handlich bin, nahmen sie mich auf den Arm und entdeckten dabei meine Hundemarke, auf der mein Name und die Handynummer von Frauchen stehen. Sie trugen mich über die Straße und riefen gleich bei Frauchen an.

Oh, was war Frauchen glücklich, daß ich gefunden und in Sicherheit war! Aber noch glücklicher war ich erst! Die netten Leute nahmen mich nämlich mit in den Dönerladen! So fand mich Frauchens Bekannter etwas später, als er mich abholte (er war schon in der Stadt gewesen, und so ging es schneller, als wenn er erst noch Frauchen hätte abholen müssen). Glücklich Döner mampfend. Natürlich mußte er mich gleich verpetzen und Frauchen am Handy erzählen, daß man mich mit Döner vollstopfen würde. Das hörte sogar ich durch den Äther, daß Frauchen schon wieder in Panik geriet. Döner – das ist doch nichts für den Magen eines Hundes!

Hat die eine Ahnung! Mein Magen funktioniert tadellos. Döner ist absolut kein Problem. Ich hatte nicht mal Durchfall. Wieso auch.

Nun bin ich wieder mit meinem Rudel vereint. Döner kauft mir Frauchen trotzdem nicht (statt dessen gibt es selbstgebackene Putenleberkekse oder mal einen Fleischknochen – ich will also nicht meckern, das schmeckt mir auch!). Was das schlimmste an der Geschichte ist: Ich darf auch dann nicht mehr von der Leine, wenn mein Freund frei laufen darf. Statt dessen soll ich beim Spielen so eine ewiglange Leine hinter mir herschleppen, die sich dauernd verheddert. Und es kommt eine Frau, die Frauchen herumkommandiert: Rufen Sie jetzt ganz laut und mit hoher Stimme ihren Namen. Komm hiiiiiiiiier!
Und wehe, ich komme dann nicht, dann ziehen sie gleich an meiner Leine.

Aber wißt Ihr was? Frauchen ist trotz allem ganz nett. Obwohl sie mir keinen Döner in den Napf tut. An den Feiertagen ist sie mit uns dorthin gegangen, wo wir nicht weglaufen können. Von drei Seiten Wasser und an der vierten steht sie. Aber ich durfte ohne Leine toben! Leider gibt es diese Möglichkeit nicht immer (im Sommer sind wir Hunde ganz verboten). Frauchen hat aber versprochen, sich zu bemühen. Neue Orte zum Spielen zu finden. Allerdings definitiv ohne Kaninchen und Dönerläden (schnüff)!

Ein frohes Neues Jahr wünscht Euch allen

Eure Schlingeline
(so heiße ich allerdings nur, wenn ich etwas angestellt habe, das Frauchen nicht so toll findet...)

 

 

 

2. Platz: An Tagen wie diesem von NeArPoLI

 

An Tagen wie Diesem, könnte ich zum Grossverbraucher von Baldriantropfen werden:

Pünktlich um 7:30 Uhr habe ich mir vorhin Arnold unter den Arm geklemmt um mit den 3 Wuffs gemütlich die zweite Gassirunde gehen zu können. Arnold die Treppe runter getragen, Tür aufgemacht - beinahe auf einen Mann draufgelaufen, der gerade einen Zettel an die Haustür hängen wollte. Mit einem genuschelten "Morsche - ei guud dass sie grad rausgehn, da brauch ich den ja garned festzubabbe" - drückt er mir den Zettel quasi zwischen Arnold und Kinn und dreht sich zum Gehen rum. Mein Unterbewusstsein signalisiert mir „Hey, der hat ja Arbeitsklamotten von der Gemeinde an“ und da ich Arnold noch immer auf dem Arm habe und den Zettel so keinesfalls lesen kann, frage ich vorsichtig nach, was denn auf dem Wisch draufsteht. Der in modischem Orange - Weiss gekleidete Artikulationsexperte dreht den Kopf und zischt über die Schulter "Mir stelle`s Wasser ab, mir misse was an de Hydrande kontrolliere, so geesche zwelf sollds widder laafe". Achso, die stellen das Wasser ab. ÖÖÖhm WANN ?? Steht bestimmt auf dem Zettel, den ich nun versuche unter meinem Kinn mit Selbigem hervorzuschieben. Geht nicht! "Hallo - entschuldigen sie - ab wann bitte?" Nun trifft mich ein Blick, der zwischen Mitleid und Vorwurf zu schwanken scheint und welcher mir wohl irgendwie sagen soll, wie leid ich ihm täte, da ich wohl nicht lesen könne und unbedingt etwas dagen unternehmen sollte, - vielleicht an der Volkshochschule... "Ei gudi Fraa - guggn se doch uf den Zeddl, in fuffzehn Minudde ! !“

In 15 Minuten?? Und bis um 12 Uhr ???? AAARGS - auf der Stelle drehe ich rum und "hechte", so gut es mit 9 Kilo Bullykind im Arm geht, die Treppe wieder hoch. Nelly überholt mich auf der Treppe und ist sichtbar der Meinung, dass Frauchen langsam immer seltsamere Spiele spielt, Potara bleibt protestkläffend hinter der Haustür stehen.

Ich muss unbedingt Wasser in die Badewanne laufen lassen, denn bis um 12 Uhr schafft es Arnold ganz locker, die Burg in eine Art finnische Seenlandschaft umzugestalten, zumal er seit der Rohfütterung vermehrt pinkelt und das leider noch nicht ankündigt.

Tür auf - Hund absetzen, ins Bad flitzen, Wasser aufdrehen.

Das Spanferkelchen ist augenblicklich ein ganz braver Bully - wenn man getragen wird, dann muss man dort Pipi machen, wo man von Frauchen abgesetzt wird, also „Wasser Marsch!“.

Lappen schnappen, Bullypfütze aufwischen und Lappen ausspülen. Noch läuft das Wasser zum Glück ja. Treppe runter, die inzwischen bereits stinkebeleidigte und noch immer protestkläffende Potara unter den Arm klemmen (Lhasas neigen zur strikten Befehlsverweigerung, wenn sie keinen Sinn im Befehl erkennen und Potara ist hervorragend im Herausfinden von Sinnlosigkeiten) Treppe wieder hoch. Maaaannn - Badewanne, lauf schneller voll, die Hunde müssen raus!. Nelly liegt, leicht angekratzt vor sich hin brummelnd, zusammengerollt auf der Couch, Potara fängt an ihren Frust abzubauen, indem sie die noch schlafenden Katzen reichlich unsanft weckt und Klein - Arnold steht, mit einem "Jugend-forscht-Blick", mit den Vorderpfoten auf dem Badewannenrand und schaut zu, wie das Wasser in die Wanne plätschert. Blick auf die Uhr - noch knappe 5 Minuten - ok, bis dorthin ist die Wanne voll. Mädchen, du hast noch Kaffee in der Kanne, setz dich doch einfach so lange hin....

Auf dem Weg ins Wohnzimmer rasen zwei Katzen an mir vorbei - Potara hinterher.... . Keine Lust mehr, was dazu zu sagen, soll sie sich doch eine Ohrfeige einfangen, wenn es den Mietzen zuviel wird. Thermoskanne gerade in der Hand: Pflaaatsch Platsch nochmal Pflllatsch Platsch. Kurzer Blick neben mich - Arnold liegt nicht neben mir! Blitzgedanke: Mein Bully ertrinkt!!!. Die logische Frage, wie der Zwerg in die Wanne kommen sollte, stellt sich gar nicht! Im rekordverdächtigen Tempo ins Bad - eine Katze schält sich gerade in totaler Panik aus der Wanne - mit Zwischenstation Toilettendeckel, die zweite hinterher und zwar mit den Krallen im Po der Ersten! Zwei klatschnasse Halblanghaarkatzen rasen quer durch die Burg und hinterlassen dabei tolle Pfützen auf den Böden, die auf diese Weise so richtig schön glatt werden. Potara und Arnold jagen begeistert hinterher - endlich was los in der Bude. AAAAUS!!!!! SIIIITZ!!!! PLAAAATZ!!!! - wie bereits erwähnt - Lhasas neigen dazu, nur Dinge zu machen, bei denen sie einen Sinn erkennen....

Also erstmal über Potara werfen und die sich windende Befehlsverweigerin schimpfend in einem Körbchen absetzen. Handtücher holen - Wasserhahn abdrehen - Wasser ist inzwischen auch abgestellt - Katzen beruhigen und wenigstens abrubbeln - zum Trockenfönen sind sie jetzt sowieso zu sehr durch den Wind. Arnold kullert währenddessen Bällchen durch die Pfützen und übt auf dem glitschigen Boden filmreife Sliding Stops. Putzeimer holen, aufwischen. Eigentlich hätte ich mir ja jetzt meinen zweiten Kaffee so richtig verdient, aber die Hunde waren ja noch immer nicht das zweite Mal Gassi. Also wieder Arnold unter den Arm klemmen, Potara aus dem Körbchen rufen, die nun so beleidigt ist, dass sie mir zu verstehen gibt, ich könne sie mal und sie würde jetzt nicht mitgehen, (dann halt nicht!), Nelly steht bereits hoffnungsvoll wedelnd neben mir. Tür raus - Teppe runter - raus zur Haustür, über die Strasse – da sehe ich, wie die Gemeindearbeiter gerade die Pylonen, die sie um die Stelle, an der sie arbeiteten, drapiert hatten, auf das Gemeindefahrzeug werfen.

Ich gaaanz vorsichtig - "Weshalb räumen sie jetzt schon auf?" Schaut mich der, der mir ne halbe Stunde vorher den Zettel unters Kinn gedrückt hat an und meint fröhlich "Mir sinn schun ferdisch, hat blos 10 Minudde gedauerd - mir gehn jetzd n Kaffee dringe, den hammer uns verdiend! "

AAAAAAAAAAARGS !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

 

 

3. Platz: Rieke - die Bellerei hört jetzt auf! von Lottemaus

 

Trainigsversuch mit einem geistig behinderten und fast blindem Beagle-Mädchen
R i e k e hör endlich auf zu bellen
Rezepte zum schmunzeln, verzweifeln, oder einfach als Trostspender
Man nehme einen Tag, an dem man zu Hause und frohen Mutes ist, viele Tage, an denen man die Hoffnung nicht aufgeben darf.
Dazu braucht man pro Tag
Rieke (oder einen anderen Hund)
mindestens 500 g Dokos (Leckerlis)
und für Paula (Riekes Schwester) auch 500 g Dokos
1 kleingeschnittenen Apfel, vielleicht einige Käsewürfel

Tag 1
Bellzentrale ist die Eingangstür, Rieke ärgert sich lauthals über jeden, der es wagt das Treppenhaus zu benutzen. Das Auf- und Zugehen der Fahrstuhltür wird extra lauthals beärgert.
Nun denn, gehen wir es an. 3 Meter neben dem Bellzentrum ist unser Arbeitszimmer. Dort werde ich Tag 1 verbringen. Neben mir eine Dose mit Dokos hinter mir ein Sessel am Fenster, auf dem Paula liegt und vor sich hin döst. Auf manche Dinge muss man bei Rieke lange warten, beim Bellen ist sie jedoch mehr als zuverlässig.
Ich sitze noch nicht richtig mit meiner Dokobox am Schreibtisch und los geht's. Rieke ist in Höchstform, ich auch noch.

10.oo Uhr: Rieke bellt
Maßnahme: Nein, pfui (streng)
nach 2 Sekunden: feiiiiiiin (fast wie Trainerin Dany) 1 Doko + loben
Paula wird wach: 1 Doko

Nach ca. 20 Dokos für Rieke und 20 Dokos für Paula hat Paula begriffen, dass es auf dem Sessel sehr bequem ist und man andauernd Dokos bekommt.
Rieke hat begriffen, dass man recht laut bellen muß, um Dokos zu bekommen.

11.oo Uhr bis 13.oo Uhr
Weitere 50 Dokos für Rieke und 50 Dokos für Paula. Paula ist jetzt immer in meiner Nähe und himmelt mich an. Rieke zerlegt in einer Ruhepause genüsslich die Bedienungsanleitung des Videorecorders. (ich dachte sie schläft eine Runde)

13.oo bis 14.oo Uhr Puscherrunde. Erst mit Paula, dann mit Rieke. Rieke ist in der Zwischenzeit artig, dachte ich, sie bellt jedenfalls nicht, die Socken die sie in der Zwischenzeit geklaut hat, kann ich aber wegschmeißen. Dann gehe ich mit Rieke, und Paula bellt wie irre (ist neu). Wieder in der Wohnung saust Paula auf ihren Sessel und grinst mich an. Kein Doko!

14.oo bis 18.oo Uhr
Siesta im Wohnzimmer, normalerweise ist bei den Beiden Mittagsschlaf angesagt. Paula liegt auf der Couch dicht neben mir und bewacht die Dokobox. Rieke beschließt durchzuhalten. Entfernung zum Bellzentrum nun 10 Meter. Rieke hat an diesem Nachmittag reichlich Bewegung, Man muß ja erst zur Tür rennen, bellen und dann zurück zur Dokobox. Klappt weitere 60 Dokos lang. Paula bleibt inzwischen liegen und macht ihre Schnauze nur kurz etwas auf, ich glaube, sie kaut die Dinger gar nicht mehr. Rieke ist glücklich. Sie ist immer glücklich, wenn sie etwas gelernt hat. Sie will mir auch andauernd zeigen, wie gut sie es kann.

Gegen 17.oo Uhr kriege ich meinen ersten Brüllanfall, beide gucken mich irritiert an. Es fehlt nur noch, dass Paula mir jetzt ein Doko in den Mund stopft. Rieke beschließt nun, nicht mehr zur Tür zu rennen, sie bellt gleich im Wohnzimmer, kommt zu mir gerannt und holt sich ihre Belohnung ab. Ich verlängere die Abstände zwischen "nein pfui" und "fein". Paula schaut mich mitleidig an, sie denkt wahrscheinlich, dass ich jetzt nachlasse. Rieke ist nach dem "nein pfu" blitzartig bei mir und erinnert mich mit einem weiteren Bellen an meine Pflicht. Wir hatten schon lange nicht mehr so einen ausgedehnten Spieltag. Macht scheinbar auch hungrig. Beide erinnern mich wie jeden Abend um Punkt

18.oo Uhr an ihre Abendmahlzeit. Ich glaub das alles nicht, eigentlich sind die beiden kurz vorm Platzen, doch sie putzen auch ihren Fressnapf rasant leer. (ich hab ihnen allerdings weniger gegeben, was Paula mit einem vernichtenden Blick quittiert). Rieke findet es nicht schlimm, denn im Treppenhaus ist immer was los und sie geht wieder brav an ihre Arbeit.

19.3o Uhr nach einem halben Apfel (entspricht ca. 10 Dokos) große Puscherrunde mit anderen Hundefreunden.

20.45 Beide liegen auf der Couch und schnarchen. Im Treppenhaus ist der Teufel los, Rieke knurrt nur leise. Ich lobe sie dafür ganz doll vor Glück. Na also, geht doch! Man muss nur Ausdauer und Geduld haben, dann klappt es auch. Es klingelt an der Tür. Rieke und Paula legen los, dagegen war der Tag von der Lautstärke des Bellens eher besinnlich und ruhig. Ich habe heute auch was gelernt, ich weiß jetzt, was Mordgedanken sind und wie man sie unterdrückt. Morgen muss ich Dokos kaufen.

 

 

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